Naturschutzverein „Elsteraue“
Falkenberg/Elster e.V.

Träger des Umweltpreises Brandenburg 2000

Alles andere als ein „goldener Oktober“!

Entwurzelte Silberpappel an einem Weg in den Kiebitzer BruchwiesenDer Monat Oktober wird vielfach durch anhaltende Hochdrucklagen geprägt, wodurch er den Beinamen „Goldener Oktober“ erhalten hat. In diesem Jahr war er alles andere als das!
Auch für mich. Eine Reise zum Monatsanfang nach Süditalien war für mich mit einem fast verhängnisvollen Unglück verbunden: Netzhautablösung am rechten Auge, mit fast völliger Erblindung! Zurück in Deutschland - Augenoperation im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum. Diese Operation war zum Glück erfolgreich. Doch zur Zeit bin ich noch ein „Einäugiger“, was sich voraussichtlich in etwa sechs bis acht Wochen positiv verändern wird.

Aber auch das diesjährige Oktoberwetter brachte zwei Katastrophen. Am 5. fegte das Tief „Xavier“ mit flächendeckenden Orkanböen über Ost- und Norddeutschland hinweg. Zugleich fiel regional ergiebiger Regen; mehr als 50 mm innerhalb von 24 Stunden. Zahllose Bäume wurden entwurzelt. Viele davon waren Laubbäume, die mit ihrem Laub dem Wind eine große Angriffsfläche boten. Auch die nassen Böden trugen zur Instabilität der Bäume bei. Sieben Menschen kamen in Deutschland aufgrund des Sturms ums Leben, die meisten durch umgestürzte Bäume. Die stärksten Böen im Flachland meldete Holzdorf, südöstlich von Wittenberg, mit 122 km/h.
Dann, am Ende des Monats, sorgte am 29. das Sturmtief „Herwart“ erneut für bisher ungeahnte „Sturmschrecken“. Besonders über Nord- und Mitteldeutschland gab es gebietsweise Böen bis zur Orkanstärke. Hamburger Straßen in Hafennähe standen meterhoch unter Wasser. Der Bahnverkehr musste deutschlandweit zeitweise eingestellt werden. Manche Strecken blieben sogar mehrere Tage gesperrt. Diesmal waren drei Todesopfer in Deutschland zu beklagen.
Wenn man bedenkt, das wir bereits am 22. Juni dieses Jahres das Sturmtief „Paul“, ebenfalls mit Orkanböen von bis zu 120 Stundenkilometer, erlebten (mit enormen Unwetterschäden im südlichen Elbe-Elster Kreis), dann sollten wir nachdenklich werden! Manchmal denke ich, die Natur will uns Menschen warnen: „So wie Ihr auf der Erde lebt, wäre es wohl besser, es gäbe Euch nicht!“ Ein berechtigtes Warnsignal. Wir alle sollten uns mäßigen - in unseren Ansprüchen, in der Art und Weise, wie wir gegenwärtig leben!
Wettermäßig dominierte im Oktober im Süden Deutschlands meist Hochdruckeinfluss. Der Norden hingegen wurde häufig von Ausläufern atlantischer Tiefdruckgebiete überquert. Für die Jahreszeit ungewöhnliche Wärme gab es in der Monatsmitte, mit örtlich bis zu 25° C. Deshalb war der Oktober in Deutschland mit seiner Mitteltemperatur von 11,1 Grad Celsius (nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes) um 2,1 Grad wärmer als im Mittel der international gültige Referenzperiode 1961 bis 1990. Damit gehörte er zu den zehn wärmsten Oktobern seit Beginn der flächendeckenden Temperaturaufzeichnungen 1881.
Der fortschreitende Klimawandel lässt grüßen!

 Dieter Lehmann