Naturschutzverein „Elsteraue“
Falkenberg/Elster e.V.

Träger des Umweltpreises Brandenburg 2000

Es war der 31. Oktober, also der letzte Tag des Monats. Als ich kurz nach 13 Uhr in Falkenberg - von Stralsund kommend - aus den Regionalexpress 3307 stieg, war der Himmel wieder einmal wasser- und nebelverhangen. Eigentlich ein Tag für Depressionen. Für mich aber war es ein Tag der Lust; nämlich Lust darauf, diesen Monatswetterrückblick zu schreiben!
Ich hatte die vorangegangenen sechs Tage auf dem Darß verbracht, um den Durchzug der Kraniche zu erleben. Jedes Jahr im Oktober rasten bis zu 30.000 Kraniche in der Boddenlandschaft Fischland-Darß- Zingst, bevor sie Anfang November gemeinsam nach Südeuropa und Afrika in ihre Winterquartiere fliegen. Doch in diesem Jahr war ich zu spät gekommen. Bereits am 24. Oktober hatte die große Masse dieser so beeindruckenden Großvögel die Darß-Region schon verlassen. Ist dies etwa ein Hinweis, dass wir einen frühen Wintereinbruch zu erwarten haben?
Das ist nicht ganz auszuschließen. Denn bereits der hinter uns liegende Monat Oktober war in verschiedener Hinsicht sehr außergewöhnlich. Vor allem die Sonne ließ sich nur wenig blicken. Seit 1951 wird die Sonnenscheindauer durch den Deutschen Wetterdienst (DWD) systematisch gemessen und beobachtet. Die Sonne war im diesjährigen Oktober besonders kraftlos. Nur 1974 und 1998 wurde noch weniger Sonneneinstrahlung registriert. Aber der Oktober war auch der erste zu kalte Monat in diesem Jahr. Seine Durchschnittstemperatur von nur 8,6 Grad Celsius lag um 0,4 Grad unter der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Praktisch mit Monatswechsel September/Oktober hatte sich das Wetter temperaturmäßig fast schlagartig negativ verändert. Die fast hochsommerlichen Temperaturen vom gesamten September sackten ab dem 1. Oktober schnell in den Keller. Bereits am 6. Oktober konnte ich in Falkenberg eine Tageshöchsttemperatur von nur noch 9 ° C registrieren.
Und so ging es den gesamten Monat weiter. Von Altweibersommer keine Spur!
Verursacht wurde dies durch ein außergewöhnlich starkes Skandinavien-Hochdruckgebiet, mit Namen „Peter“, das ab Monatsbeginn die Zugbahn atlantischer Tiefdruckgebiete nach Osteuropa blockierte. So konnte, von wenigen Ausnahmen abgesehen, sehr wolkenreiche und meist kühle Luft nach Mitteleuropa einfließen. Zum Glück ist vom Oktober jedoch auch Positives zu vermelden. Nach den beiden extrem niederschlagsarmen Monaten August und September gab es im Oktober in Deutschland Niederschlagsmengen im Normalbereich. Im Land Brandenburg wurden 55 Liter pro Quadratmeter (l/m²) gemessen. In Falkenberg fielen nach meinen Messungen jedoch nur 44 l/m² – immer noch zu wenig, um das erreichte Niederschlagsdefizit auszugleichen!
So dürfen wir sehr gespannt sein, wie sich das Wetter zum Jahresende hin entwickeln wird. Bekommen wir erstmals seit drei Jahren wieder einen echten Winter? Vielleicht sogar eine „Weiße Weihnacht“? Zu wünschen wäre es uns.

Dieter Lehmann