Naturschutzverein „Elsteraue“
Falkenberg/Elster e.V.

Träger des Umweltpreises Brandenburg 2000

tmb Amsel Star Ich habe in den letzten Monaten bei mir im Garten keine einzige Amsel mehr gesehen! Das ist beunruhigend. Denn die tiefschwarzen (Männchen) oder dunkelbraunen (Weibchen und Jungvögel), bei der Futtersuche so emsigen Vögel konnte ich sonst zu jeder Jahreszeit auf meinem Grundstück und anderswo häufig beobachten.
Es ist zu befürchten, dass es in diesem Sommer abermals zu einem massiven Amselsterben gekommen ist. Ursache dafür ist das tropische Usutu-Virus, das durch Stechmücken auf die Vögel übertragen wird, und bereits von 2010 bis 2012 in Deutschland grassierte. Die durch das Virus verursachten Todesfälle treten jeweils während der Mückensaison von Mai bis November auf. Von dem Virus befallene Vögel wirken krank, werden apathisch und flüchten nicht mehr. Sie sterben dann meist innerhalb weniger Tage. Besonders die Amseln sind betroffen, aber auch andere Vogelarten.
Auch in diesem Jahr wurden in Deutschland bereits wieder Fälle von Usutu-Erkrankungen festgestellt. Die Ursachen dafür sind noch ungeklärt. Ist es der fortschreitende, durch uns Menschen verursachte globale Klimawandel? Es wird wärmer auf unserer Erde, was die Fortpflanzung und Ausbreitung der verschiedenen Mückenarten begünstigt.
Der Naturschutzbund (NABU) arbeitet mit Wissenschaftlern daran, die Ausbreitung des Virus und seine Auswirkungen auf unsere Vogelwelt zu dokumentieren und zu verstehen.
Um Daten zu sammeln, sollen Vorkommnisse tot aufgefundener oder beobachteter kranker Amseln auf der NABU-Website über ein Online-Formular gemeldet werden.
Dieter Lehmann

Falkenberg, 05.05.2016

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Hochaufragende Kirchtürme üben auf bestimmte Vogelarten eine magische Anziehungskraft aus. Sind Mauer- oder Dachöffnungen vorhanden, dann siedeln sich dort Schleiereulen oder Turmfalken an. Von 2001 bis 2002 wurde in Falkenberg mit hohem finanziellen Aufwand die im Jahr 1913 im Jugendstil erbaute evangelischen Kirche saniert. Das Dach des 45 Meter hohen Turmes wurde mit Schieferplatten neu eingedeckt, die Skalen der Kirchturmuhr wurden vergoldet, die Fassade mit neuem Putz versehen. Seitdem präsentiert sich die Falkenberger Kirche als ein weithin sichtbareres Schmuckstück für unsere Stadt.
Wir Falkenberger Naturschützer wandten uns zu der Zeit der Kirchensanierung an die evangelische Kirchengemeinde mit der Bitte, den Turm so zu gestalten, dass dort künftig auch weiterhin Vögel brüten können. Wir trafen auf einsichtige Partner. Zwei Brutkästen, die sowohl für Turmfalken wie auch für Schleiereulen geeignet sind, wurden an der Ost- und Nordseite der Turmspitze, unmittelbar an der unteren Dachkante eingebaut. Klappdeckel ermöglichen im Inneren jederzeit eine Kontrolle. Kirchengemeinde und Naturschutzverein schlossen einen Vertrag, der den Falkenberger Ornithologen gestattet, mehrmals im Jahr die Nisthilfen im Kirchturm zu kontrollieren. Als Gegenleistung beseitigen wir die durch die Vögel verursachten Verschmutzungen im Innenbereich des Kirchturms.
tmb 005turmIn den ersten Jahren nach der Kirchensanierung brüteten zunächst nur Turmfalken in den östlich gelegenen Nistkasten. Die Schleiereulen, die während der Renovierungsarbeiten noch ihre Jungen im Turmgebälk aufgezogen hatten, brüteten seitdem leider nicht mehr. Doch dann, im Jahr 2013 eine freudige Überraschung. Ein Dohlenpaar quartierte sich ungefragt im Nistkasten der Turmfalken ein. Es gab heftige Revierkämpfe zwischen den beiden Vogelarten, doch die Dohlen ließen sich nicht mehr vertreiben. Es wurde ihre erste erfolgreiche Brut; Mitte Mai 2013 flogen fünf junge Dohlen in die Freiheit. Doch welche Freude für uns, als wir anschließend bei einer Kontrolle des Nistkastens feststellten, dass nun auch die Turmfalken – wenn auch verspätet – mit ihrer Brut begonnen hatten. Sechs Jungfalken flogen aus.
In den drei Jahren danach wiederholte sich dieses Schauspiel der um den Brutplatz konkurrierenden Dohlen und Turmfalken, immer mit dem gleichen Ergebnis: Zuerst brüteten die Dohlen, anschließend die Turmfalken.
In diesem Jahr gab es für uns Naturschützer abermals eine freudige Überraschung: Erstmals seit 2002 brüten wieder Schleiereulen im Kirchturm! Es war der 28. Juli, als ich zusammen mit Lothar und Jochen Richter – beide betreuen wöchentlich die Kirchturmuhr - über unzählige Treppenstufen und Leitersprossen bis in die höchste Spitze des Kirchturms stieg. Wir entdeckten vier noch flauschige Jungeulen im nördlich gelegenen Nistkasten.
Damit haben in diesem Jahr erstmals drei Vogelarten in der Falkenberger Kirchturmspitze erfolgreich gebrütet.

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tmb 017turmtmb 024turmtmb 028turmtmb 060turmtmb IMG 0402tmb 344turmDieter Lehmann