Naturschutzverein „Elsteraue“
Falkenberg/Elster e.V.

Träger des Umweltpreises Brandenburg 2000

Die Nachteile sind unübersehbar,
aber wie wollen wir leben?

Am 24. August gab es im Herberger Bürgerzentrum die Informationsveranstaltung „Windenergiewende – kritische Betrachtungen“. Etwa 50 Zuhörer waren gekommen, wohl mehrheitlich Windkraftgegner. Als langjähriger ehrenamtlicher Naturschützer und mehrfacher Buchautor über den globalen Klimawandel war ich natürlich an dieser Thematik interessiert. Deshalb war ich per Fahrrad nach Herzberg gekommen. Allerdings nur, um zuzuhören.
Eingeladen zu dieser Veranstaltung hatte die Bürgerinitiative „Gräfendorfer Gegenwind“.

Hauptreferent war der Hamburger Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, ehemaliger deutscher Politiker, mehrfacher Buchautor und vielfacher Wirtschafts-Manager. Aber er ist auch Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung. In dieser Eigenschaft ist er mir natürlich sympathisch. Bei seinen äußerst kritischen Ausführungen zur Windkraftnutzung machte er berechtigt darauf aufmerksam, dass es bei Fledermäusen und Vogelarten vielfach Schlagopfer durch Windräder gibt. Das deckt sich mit meinen eigenen Beobachtungen und ist eindeutig ein Nachteil der Windkraftnutzung. Auch seine Argumentation gegen den Aufbau von Windkraftanlagen in Waldgebieten deckt sich mit meinem Standpunkt. Der Falkenberger Naturschutzverein „Elsteraue“ hat sich bei seinen Stellungnahmen beim Potsdamer Büro der anerkannten Naturschutzverbände stets gegen derartige Baumaßnahmen ausgesprochen. Doch das war immer vergeblich – die Windräder wurden trotzdem in die Wälder gestellt.
Fritz Vahrenholt äußerte sich auch zur Thematik globaler Klimawandel. Er ist der Ansicht, die steigenden globalen Temperaturen würden nur zum geringeren Teil vom durch uns Menschen verursachten CO₂-Ausstoß beeinflusst. Mindestens die Hälfte der bisherigen Erderwärmung gehe auf eine verstärkte Aktivität der Sonne zurück. In dieser Hinsicht ist er ein sogenannter „Klimaskeptiker“. Ähnlich wie der derzeitige amerikanische Präsident Donald Trump, den der Professor in diesem Zusammenhang auch namentlich erwähnte.
In dieser Hinsicht bin ich anderer Ansicht. Es gibt ganz unzweifelhaft den von uns Menschen verursachten und fortschreitenden globalen Klimawandel. Fast alle Wissenschaftler, die an dieser Thematik arbeiten, haben das auch empirisch nachgewiesen. Dies ist auch der Grund, weshalb wir Menschen die Erneuerbaren Energien – also Sonne, Wind, Wasserkraft, Erdwärme und Biomasse – auch weiterhin nutzen müssen. Allerdings in einem ausgewogenen Energiemix!
An der Herzberger Informationsveranstaltung über die Windkraftnutzung hatte ich zu bemängeln, dass die Vorträge der Beteiligten zu einseitig angelegt waren. Und es wurde auch nicht über Alternativmöglichkeiten gesprochen. Natürlich, es gibt vielfältige Nachteile durch die Vielzahl der bereits aufgestellten Windräder. Deshalb sollten gegenwärtig keine weiteren Windkraftanlegen genehmigt und gebaut werden.
Aber es stellt sich auch die Frage, wie sollen und wie wollen wir leben? Unsere gegenwärtige moderne Welt hat in vielerlei Hinsicht ihre Schattenseiten.
Ich denke da ganz besonders auch an den Autoverkehr. Der jetzige Bestand allein der Personenkraftwagen in Deutschland beträgt rund 45,8 Millionen. Hinzu kommen eine Vielzahl unterschiedlichster Nutzfahrzeuge. Diese Autos erzeugen Abgase und Lärm; Unfälle sind unvermeidlich. Unsere Straßen sind dem Verkehr nicht mehr gewachsen. Neue müssen gebaut werden, sie müssen verbreitert werden - wie kürzlich die B 101 zwischen Bad Liebenwerda und Elsterwerda. Flächen werden versiegelt, Bäume gefällt. Also die gleichen nachteiligen Folgen wie beim Bau der Windkraftanlagen. Das alles sind
die Schattenseiten unserer modernen, hochtechnisierten Welt. Wir müssen dies akzeptieren. Es sei denn, wir wollen wieder wir Urmenschen leben. Aber wollen wir das?
Deshalb lautet mein persönliches Lebensmotto: Mäßigung! Es gibt so viele Dinge in dieser Welt, deren ich nicht bedarf!

 

Dieter Lehmann