Naturschutzverein „Elsteraue“
Falkenberg/Elster e.V.

Träger des Umweltpreises Brandenburg 2000

Sabine Lehmann, Mitglied des Falkenberger Naturschutzvereins „Elsteraue“, betreut seit 2015 sehr engagiert die Weißstörche im Altkreis Herzberg. In der von ihr aufgestellten Bilanz für das Brutjahr 2016 zeigt sich eine besorgniserregende Negativentwicklung dieser für viele Menschen so attraktiven Vogelart. Aus 24 besetzten Horsten flogen nur 50 Jungstörche aus. Das waren acht weniger als im vorausgegangenen Jahr 2015. Wenn man bedenkt, dass 2004 aus 31 besetzten Horsten schon einmal 90 Jungstörche ins Leben hinausflogen, so sollte nach den Ursachen des offensichtlichen Rückgang der Weißstorch-Bestände gefragt werden. Zwar kommt es immer wieder zu sogenannten „Störungsjahren“, die zumeist durch unbeeinflussbare Wetterbedingungen verursacht werden. So zum Beispiel

im Jahr 2013, als nur 41 Junge ausflogen – der bisherige Negativrekord. Aber die Tendenz unserer Weißstorch - Bestände ist eindeutig fallend. Die Ursachen hierfür können erfahrungsgemäß nur in den Veränderungen der Umweltbedingungen liegen.

2016 blieben zum Beispiel die langjährig besetzten Horste in der Falkenberger Grundschule und in der Querstraße, sowie in Bomsdorf , Beyern und Fermerswalde unbesetzt. Wenn man bedenkt, dass die Jungstörche erst in ihrem dritten Lebensjahr fortpflanzungsfähig werden und dann in der Regel in einem Umkreis von ca. 70 Kilometern um ihren Geburtsort selbst zu Bruteltern werden, dann ist damit zu rechnen, dass sich eine einmal begonnene Negativentwicklung der Bestände in den folgenden Jahren fortsetzt. Keine guten Aussichten also für „Freund Adebar“! Auch in diesem Jahr sorgten die Störche wieder für einige Kuriositäten. Vor allem ein „Rüpel-Storch“ sorgte für Aussehen. Die Bezeichnung „Rüpel-Storch“ erhielt einer der Altvögel auf dem Horst in Arnsnesta von Reporterin Sylvia Kunze, die in der EER vom 23. Juli in einem fast halbseitigen Artikel über dessen frevelhaftes Benehmen berichtete. Der Storch klopfte mit seinem langen roten Schnabel an alles, worin er sich spiegeln konnte – Kellerfenster, chromblitzende Autos! Das war natürlich ein Ärgernis für die betroffenen Dorfbewohner. Aber die meisten nahmen es gelassen hin, denn größere Schäden wurden zum Glück nicht verursacht.

 

Die Nilgans auf dem Horst der Steigemühle bei Schlieben
Nilgans auf dem Horst der Steigemühle
Foto: Katja Schützel

Eine weitere ungewöhnliche Begebenheit gab es auf dem leerstehenden Horst in Schlieben Steigemühle. Dieser befindet sich auf dem flachen Dach eines landwirtschaftlichen Gebäudes. Wenn schon keine Störche da sind, sagte sich eine Nilgans, dann kann ich doch dort Quartiert nehmen. Und fortan stand sie fast täglich auf dem Horst, und sie wurde von allen Vorbeifahrenden auf der dicht daneben liegenden Ortsverbindungsstraße bewundert. Im Spätherbst 2015 wurde an den Falkenberger Naturschutzverein von verschiedenen Seiten die Idee herangetragen, eine Kamera am Storchennest auf dem hohen Schornstein im Schulhof der Falkenberger Astrid-Lindgren- Grundschule zu installieren. Die Möglichkeit, die Brut der Weißstörche direkt im Internet erleben zu können, hielten wir für sehr wichtig, um dadurch viele Bürger für den Naturschutz zu interessieren. Dies auch insbesondere für die Schüler der Falkenberger Grundschule, auf deren Schulhof sich der Storchenhorst befindet. Von unserem Naturschutzverein wurden daraufhin verschiedene Gespräche mit Fachleuten des Naturschutzes und eventuell in Frage kommende Unternehmen geführt, die bei der Umsetzung der Idee helfen sollten. Nachdem wir im März 2016 von der Sparkassenstiftung „Zukunft Elbe-Elster- Land“ die finanzielle Förderzusage erhalten hatten, stand der Verwirklichung des Vorhabens nichts mehr im Weg. Die Stadtverwaltung Falkenberg übernahm organisatorische Aufgaben samt der dazugehörigen Vorfinanzierung. Die notwendigen Partner für die Installierung der Webcam wurden gefunden. Alle waren mit Begeisterung bei der Sache. Am 28. April wurde in einem letzten ganztägigen Einsatz die Videokamera auf dem Schornstein montiert. Leider spielten die Störche nicht mit. Ein Storchenpaar stand mehrere Tage auf dem Horst, es kam jedoch leider nicht zur Brut. Wir hoffen nun inständig, dass 2017 die Störche dort wieder brüten werden.

 

Dieter Lehmann