Naturschutzverein „Elsteraue“
Falkenberg/Elster e.V.

Träger des Umweltpreises Brandenburg 2000

Falkenberg, den 02.01.2017

Stellungnahme
Freischnitt einer 15000 Volt-Oberleitung zur Herstellung der Verkehrs- und Betriebssicherheit auf einer Fläche der Bahnanlagen am Bahnhof Falkenberg/Elster

Die Deutsche Bahn hat bei der unteren Naturschutzbehörde Befreiung für den Freischnitt einer 15000 Volt-Oberleitung zur Herstellung der Verkehrs- und Betriebssicherheit auf einer angrenzenden Fläche der Bahnanlagen am Bahnhof Falkenberg/Elster beantragt (Gemarkung Falkenberg, Flur 5, Flurstück 125,126).
In meiner Eigenschaft als Vorsitzender des Falkenberger Naturschutzvereins „Elsteraue“ und als Mitglied des Naturschutzbeirates Landkreis Elbe-Elster haben wir am 28.12.16 in einer Begehung die Flächen, auf denen die beantragten Baumfällungen stattfinden sollen, begutachtet.


Etwa 80 Bäume, in einem Alter von zum Teil bis zu 80 Jahren, unterschiedlichster Arten, sollen bis Ende Februar 2017 im ausgedehnten Bereich eines Erlenbruchwaldes gefällt werden. Dieser Erlenbruchwald ist nach § 30 BNatSchG und nach § 18 BbgNatSchG ein geschützter Biotop. Die große Mehrzahl der zur Fällung vorgesehenen Bäume sind vital und gesund, und sie sind damit eigentlich ein unverzichtbarer Teil der Flächen des Geschützten Biotops.
Wir erkennen an, dass ein Teil dieser zur Fällung vorgesehenen Bäume bei Sturmereignissen die elektrischen Fahrleitungen auf der daneben auf einem Bahndamm befindlichen Eisenbahngleise gefährden könnten. Doch es ist zu fragen, warum diese Bäume in den zurückliegenden Jahrzehnten durch die verantwortlichen Betriebsstellen der Eisenbahnbehörden nicht zurückgeschnitten wurden? Ihr Wuchs wäre dadurch begrenzt worden, und die jetzt beantragten Fällungen wären nicht nötig geworden!
Auch wir haben bei unserer Begehung festgestellt, dass artenschutzrechtliche Verbote betroffen sind. In einigen Bäumen sind Höhlungen, Risse und Spalten vorhanden, die potentielle Fortpflanzungs- und Ruhestätten für streng geschützte Tierarten darstellen. Eine Ausnahmegenehmigung nach § 45 Abs. 7 Nr. 5 BNatSchG ist daher notwendig.
Deshalb müssen Ersatzmaßnahmen festgelegt und umgesetzt werden. Diese sollten auf Flächen erfolgen, die unmittelbar oder in nächster Nähe des Erlenbruchwaldes liegen.
Es müssen also diesbezüglich Neuanpflanzungen von Bäumen erfolgen. Und dies im Verhältnis 1 zu 3 je gefälltem Baum – also bei 80 zu fällenden Bäumen wären das 240 neue Bäume.
Bei unserer Besichtigung haben wir festgestellt, dass es im unmittelbaren Umfeld des Erlenbruchwaldes verschiedene Flächen der Deutschen Bahn AG (DB AG) gibt, die für diese Ersatzanpflanzungenn geeignet sind. Die Neuanpflanzung einer Streuobstwiese wäre dabei für uns ein sehr guter Ausgleich.

Bei dieser Gelegenheit haben wir auch gesehen, dass auf einer Fläche der Bahn AG, unmittelbar östlich des Bahnstromwerkes am Schmerkendorfer Baggerteich, der aufkommende Bewuchs grundhaft und restlos abgeholzt wurde. Dieser Bewuchs hat keine Bahnanlagen beeinträchtigt; die Abholzungen waren völlig unnötig und nachteilig für die umgebende Natur. Warum das alles?
Gegenüber dieser Fläche befindet sich die Ruine einer langgestreckten Baracke, die ehemals beim Bau des Bahnstromwerkes (etwa um 1980) als Materiallager und Aufenthaltsraum für die Bauarbeiter benötigt wurde. Seitdem steht diese Baracke leer und ungenutzt in der umgebenden Natur. Die Fenster sind zerschlagen, die Türen stehen offen. Diese Baracke ist ein Schandfleck und muss von der Bahn AG möglichst bald abgerissen werden.
Wir fordern die Bahn AG auf, diesbezüglich Maßnahmen einzuleiten. Wir erwarten seitens der Bahn AG dazu eine möglichst positive Antwort!

gez. Bernd Hensel, Vorsitzender NSV „Elsteraue“, Falkenberg/Elster